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ICG-D online
durchführen und auswerten.

Der ICG-D (Inventory of Complicated Grief, deutsche Fassung) erfasst mit 19 Fragen die Belastung durch komplizierte Trauer nach einem Verlust. In Nostiq weisen Sie ihn digital zu, die Auswertung erfolgt automatisch, und jede Erhebung reiht sich in den Verlauf ein.

Fachlich geprüft von Manuel Ludescher, BA MMSc · aktualisiert August 2026

Komplizierte Trauer ist nicht die ICD-11-Verlängerte Trauerstörung. Der ICG-D misst komplizierte Trauer nach Prigerson. Die ICD-11 hat inzwischen die Verlängerte Trauerstörung als eigenständiges Krankheitsbild aufgenommen — das ist ein anderes Konstrukt, und der ICG-D ist kein ICD-11-Diagnoseinstrument. Die Verfahrensdokumentation benennt diese Unterscheidung selbst. Screening- und Verlaufsinstrument, keine Diagnose; die fachliche Beurteilung trifft die behandelnde Fachperson.

Trauer, die nicht in Bewegung kommt.

Der ICG-D erfasst Trauerreaktionen, die anhaltend belasten statt sich über die Zeit zu verändern: gedankliches Kreisen um die verstorbene Person, Nicht-wahrhaben-Können, Sehnsucht, Vermeidung von Erinnerungen, Entfremdung von anderen Menschen, Verbitterung und Einsamkeit. Er ist die deutsche Adaption des international verbreiteten Inventory of Complicated Grief (Prigerson et al., 1995), erstvalidiert 2012 von Lumbeck, Brandstätter und Geissner.

Bemerkenswert an der Validierung sind die niedrigen Zusammenhänge mit Depression, Angst und Somatisierung (r = .25 bis .38). Genau das stützt die Konstruktbehauptung: Komplizierte Trauer ist etwas anderes als eine Depression — und lässt sich mit einem Depressionsfragebogen nicht abbilden.

Erwachsene nach einem belastenden Verlust.

Für Erwachsene ab etwa 17 Jahren, als Selbstbeurteilung. Die Validierungsstichprobe bestand aus Patient:innen, deren Verlust mindestens zwölf Monate zurücklag und die ihn als stark belastend erlebten — der ICG-D ist also kein Instrument für die akute Trauerphase unmittelbar nach einem Todesfall, sondern für anhaltende Trauersymptomatik. Das Testarchiv nennt als Anwendungsbereich ausdrücklich „Forschung, Praxis (fachkundige Qualifikation erforderlich)".

19 Items, fünfstufig, 0–76.

19 Items, jeweils auf einer fünfstufigen Häufigkeitsskala von „nie" (0) bis „immer" (4), bezogen auf die jetzige Lage. Der Summenwert reicht von 0 bis 76. Die Bearbeitung dauert etwa fünf Minuten.

Ein Trennwert, keine Schweregrade.

Die Auswertung ist eine einfache Summe. Es gibt genau einen publizierten Trennwert — 25 Punkte. Nostiq bildet deshalb zwei Bereiche ab und keine feinere Abstufung: Eine Einteilung in „leicht / mittel / schwer" wäre erfunden, weil es dafür keine validierte Grundlage gibt.

SummenwertEinordnung
0–24keine Hinweise auf komplizierte Trauer
25–76Hinweise auf komplizierte Trauer
Cut-off 25 nach Lumbeck et al. 2012 (S. 246) — deckungsgleich mit der Einordnung in der Nostiq-Auswertung. Der Wert trennt auffällig von unauffällig; er ordnet keine Schwere ein und stellt keine Diagnose.

Bewegung sichtbar machen — mit strenger Schwelle.

Trauer verläuft langsam, und genau deshalb ist die Verlaufsdarstellung hier aufschlussreich: Sie zeigt, ob sich über Monate etwas bewegt. Nostiq ordnet Veränderung über die kritische Differenz ein, statt nur eine Punktdifferenz zu zeigen.

Beim ICG-D stützt sich diese Schwelle auf die Test-Retest-Reliabilität über vier Wochen — nicht auf die interne Konsistenz. Das ist die sachlich richtige Bezugsgröße für eine Aussage über Veränderung, und es ist die strengere: Die Schwelle liegt dadurch rund 50 % höher, als sie über den bequemeren Weg läge. Nostiq weist eine Veränderung also erst dann als gesichert aus, wenn sie deutlich ist.

Sinnverlust und Überlebensschuld.

Zwei Fragen des ICG-D berühren Sinnlosigkeitserleben und Überlebensschuld. Beides sind normale Bestandteile komplizierter Trauer und keine Suizidalitätsfragen — der ICG-D enthält kein Item zu Selbsttötungsabsichten.

Nostiq markiert diese beiden Items für die Sichtung durch die Fachperson, aber nur bei der obersten Antwortkategorie. Der Grund ist Zurückhaltung: Bei einer niedrigeren Schwelle würde in den ersten Trauermonaten nahezu jede Erhebung eine Markierung auslösen — und eine Markierung, die immer erscheint, sagt nichts mehr. Die Kennzeichnung erfolgt rein datenbasiert; die klinische Einordnung bleibt bei der Fachperson.

Zwei weitere Items fragen danach, ob die verstorbene Person gehört oder bildlich gesehen wird. Das sind in der Trauerforschung gut beschriebene, nicht-psychotische Phänomene — sie werden entsprechend nicht als Warnsignal behandelt.

Validiert, aber nicht normiert.

Die interne Konsistenz liegt bei Cronbachs α = .87, die Retest-Reliabilität nach vier Wochen bei rtt = .69. Die Änderungssensitivität ist belegt: In einer Therapiestudie sanken die Werte über 4,5 Wochen im Mittel von 38,8 auf 25,4.

Eine klassische Normierung liegt nicht vor — die publizierten Mittelwerte stammen aus einer klinischen Validierungsstichprobe (N = 117), nicht aus der Allgemeinbevölkerung. Nostiq zeigt für den ICG-D deshalb bewusst keine Prozentrang- oder Norm-Position an. Eine solche Angabe würde eine Vergleichsbasis vortäuschen, die es für dieses Verfahren nicht gibt.

Zuweisen, auswerten, im Verlauf sehen.

  • Zuweisen — Sie senden den ICG-D per Link an Ihre:n Klient:in, ausfüllbar auf jedem Endgerät im Browser.
  • Automatisch auswerten — Summenwert und Einordnung sofort.
  • Im Verlauf sehen — jede Erhebung reiht sich in die Verlaufsdarstellung ein, mit kritischer Differenz auf Retest-Basis.
  • Als PDF dokumentieren — Befundübersicht für die Akte, mit der Abgrenzung zur ICD-11-Verlängerten-Trauerstörung.
  • Lizenzfrei mit Attribution — keine Kosten pro Abnahme, im Nostiq-Beitrag enthalten.
  • Datenschutzorientiert, EU-Hosting, Pseudonymisierung — keine Klarnamen am Server.

Originalvalidierung.

Lumbeck G, Brandstätter M, Geissner E (2012). Erstvalidierung der deutschen Version des „Inventory of Complicated Grief" (ICG-D). Verhaltenstherapie 22(4):243–251.

Prigerson HG, Maciejewski PK, Reynolds CF et al. (1995). Inventory of Complicated Grief: a scale to measure maladaptive symptoms of loss. Psychiatry Research 59(1–2):65–79.

Lumbeck G, Brandstätter M, Geissner E (2022). ICG-D. Inventory of Complicated Grief – deutsch [Verfahrensdokumentation und Fragebogen]. In Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) (Hrsg.), Open Test Archive. Trier: ZPID. doi.org/10.23668/psycharchives.15509 — lizenziert unter CC BY-SA 4.0; digitale Darstellung durch Nostiq, Iteminhalt unverändert.

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